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Das Dunning-Kruger-Syndrome beim Sprachenlernen Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Hier etwas interessantes zum Sprachenlernen.

Bis zum Ende durchlesen ist wichtig.

Verfasst von Elfeo Markstein

Das Dunning-Kruger-Syndrome beim Sprachenlernen.

Ich habe in der Vergangenheit vielfach beobachtet, dass es nicht selten Kommentare mit dem
Grundtenor „Diese Übersetzung ist falsch, das sagt man so und so …“ oder so ähnlich gibt.
Oft kommen diese Kommentare von Leuten, die die andere Sprache lernen und berechtigter
Weise stolz darauf sind, dass sie etwas wissen.
Zwei Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung: Ich kann nicht mehr an einer Hand abzählen,
wie oft ich korrigiert wurde, dass man „estoy perdido“ mit „ich habe mich verlaufen“ statt mit
„ich habe mich verirrt“ übersetzt. Der semantische Unterschied zwischen „sich verlaufen“
und „sich verirren“ ist so gering, dass 98% der deutschen Muttersprachler ihn nicht kennen
und gleich gar nicht erklären könnten. Es sind also Synonyme.
Ein weiteres Beispiel: Ich hatte mal einen Disput mit jemandem, dessen Mutter ein paar Jahre
lang ein kleines Häuschen in Spanien hatte, wo er sie regelmäßig besuchte, während sie die
Winter dort verbrachte. Er behauptete Stein und Bein „Salida“ heißt „Etage“. Wie er darauf
kam, dürfte jedem hier klar sein. Seine Kompetenz belegte er damit, dass seine Mutter
schließlich jedes Jahr sechs Monate in Spanien lebt und er sie jedes Jahr besucht. Der
klassische Autoritätsbeweis nach dem Motto: Also werde ich es ja wohl wissen!
Warum werde ich also immer wieder verbessert, wenn ich „sich verirren“ benutze? Weil bei
Babbel in einer der ersten Lektion gelehrt wird, dass es „sich verlaufen“ heißt und derjenige
möglicher Weise anhand anderen Quellen, evtl. sogar bei Muttersprachlern auch noch
gesehen hat, dass es so richtig ist. Es ist also mehrfach abgesichertes, unumstößliches
Wissen, aus dem leider jedoch auch der unzulässige Umkehrschluss gezogen wird, dass es
nichts anderes heißen kann.
Und warum war es im Salida-Fall unmöglich, mit Argumenten wie dem Wortstamm und div.
Onlinewörterbüchern (quasi als Gegen-Autoritätsbeweis) der falschen Ansicht beizukommen?
Weil er der Meinung war, dass in Büchern und Kursen eh nur Mist gelehrt wird und er in
Spanien das „richtige Spanisch“ auf der Straße gelernt habe. Ein Spruch den ich im Übrigen
auch schon bis zum Abwinken gehört habe, meistens von Leuten, die zwar mit fünf Minuten
Vorbereitung nach dem Weg fragen können, aber die Antwort nicht verstehen und sich
deshalb trotzdem verlaufen/verirren.
Vorweg noch eine Anmerkung, wenn ich im Folgenden von Inkompetenz spreche, ist damit
kein persönlicher Makel gemeint, sondern eine Tatsache. Wir sind alle in fast allen
Fachbereichen inkompetent, zum persönlichen Makel wird sie erst, wenn sie sich mit
Arroganz paart.
Das Dunning-Kruger-Syndrome besagt, dass ein Mensch mit geringen Kenntnissen auf einem
bestimmten Gebiet am ehesten dazu neigt, seine Kompetenz auf diesem Gebiet zu
überschätzen. Das Maß der Selbstüberschätzung verhält sich dabei indirekt proportional zum
Kenntnisstand. Das kommt daher, dass der Betroffene auf Grund der Tatsache, dass er diese
Kenntnisse erworben hat jedenfalls mehr darüber weiß, als jeder, der sich noch nie mit der
Materie befasst hat. Die Person vergleicht sich also mit sich selbst aus der Zeit, bevor sie
begonnen hat zu lernen und ihr erscheint der eigene Kenntnisstand im Vergleich zu früher
enorm. Das muss auch gar nicht falsch sein, nur ist er nicht enorm gemessen am verfügbaren
Wissen zu dem Thema.
Erst mit Erreichen eines relativ weit über dem Allgemeinwissen liegenden Minimums an
Kenntnissen gelangt man auch zu der Erkenntnis, wie viel man noch nicht weiß.
Dem entspricht auch ein weiteres Ergebnis der Studie von Dunning und Kruger: Einer Person,
die dem Dunning-Kruger-Effekt erlegen ist, kann man ihre Inkompetenz nicht verdeutlichen,
indem man ihr sagt, dass und warum sie in dem einzelnen Punkt irrt. Nur wenn sich die
allgemeine Kompetenz der Person auf dem Gebiet erhöht, wird sie irgendwann erkennen, wie
viel sie noch zu lernen hat und dass das Lernen quasi nie aufhören wird. An diesem Punkt
beginnt übrigens eine Phase des Schweigens, was meint, die Person wird sich für eine gewisse
Zeit kaum zu dem Thema äußern, weil sie stets befürchtet, falsch zu liegen.
Das Interessante am Dunning-Kruger-Syndrome ist, dass Menschen, die auf gewissen
Gebieten ausgewiesene Fachleute sind, in anderen Bereichen nicht erkennen können, dass sie
dort trotz oder gerade wegen ihrer geringen Kenntnisse an sich inkompetent sind. Je näher der
Bereich mit den mangelnden Kenntnissen dem eigenen Spezialgebiet liegt, umso höher ist die
Gefahr, dem Dunning-Kruger-Effekt zu erliegen.
Bei den obigen Beispielen bedeutet das, der Babbel-Typ wird weiter lernen müssen und
irgendwann nicht nur erkennen, dass ‚sich verirren’ und ‚sich verlaufen’ Synonyme sind,
sondern auch, dass es in fast allen Sprachen fast immer mehrere Möglichkeiten gibt, dasselbe
auszudrücken. Wenn dieser Typ weiterlernt, wird er seine Kompetenz kontinuierlich erhöhen
und so im Verlaufe der Zeit auch besser einzuschätzen lernen. Er ist allerdings trotz dieser
Erfahrung nicht davor sicher, dass ihm dasselbe wieder passiert, sobald er beginnt, die nächste
Sprache zu lernen.
Der Salida-Typ hingegen wird es nie begreifen, weil sich bei ihm zu seiner Inkompetenz noch
eine gehörige Portion Selbstüberschätzung (er hat das richtige Spanisch in Spanien gelernt, es
gibt nichts, was er nicht weiß) und Arroganz („pah Bücherspanisch“ und/oder „dann ist das
Wörterbuch eben falsch“) gesellen und er deshalb auch nicht bereit sein wird, seine
Kompetenz zu erhöhen. Mit dem muss man auch nicht über einzelne Fragen diskutieren. Er
wird eher beleidigend werden oder die Diskussion beenden als einzusehen, dass er falsch
liegt.
Natürlich gibt es Dinge, da bin ich mir in meiner Muttersprache sicher, ob sie richtig oder
falsch sind, aber weil ich, seit ich mich ernsthaft mit Sprachen befasse, ständig auch in
Deutsch was dazu lerne, bin ich inzwischen so vorsichtig geworden, dass ich oft etwas lieber
nochmals überprüfe, bevor ich öffentlich, z.B. in unserer Gruppe, behaupte, es sei falsch und
es sei (ausschließlich) ‚so und so’ richtig.
Wenn ich also eine mir bislang unbekannte Formulierung bzw. Übersetzung sehe bzw. höre,
werde ich nicht mit „Das ist falsch!“ herausplatzen sondern ich stelle mir zuerst die Frage, ob
ich nicht gerade etwas Neues gelernt habe. Und selbst wenn ich überzeugt bin, dass es falsch
ist, werde ich meinen Zweifel eher vorsichtig und als Frage anbringen, etwa: „Ich habe es
bisher nur so … gelernt, warum steht das jetzt so … da?“

Dateianhang:
unknown Dunning-Kruger.pdf (36 KB, 3 mal heruntergeladen)




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